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U-434 - Das russische Spionage U-Boot vor St. Pauli

Von: Yannic Zotzmann - 10.08.2015 15:48

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Spionage U-Boot U-434

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Zwischen Hamburgs Fischauktionshalle und dem Baumwall liegen viele Schiffe. Die Rickmer Rickmers, die Cap Sandiego und das knallrote Feuerschiff zum Beispiel. Ein Schiff aber ragt im wahrsten Sinne des Wortes heraus: Das U-Boot 434 vor St. Pauli. Bis 2002 stand das U-Boot im Dienste der russischen Marine und spionierte unter anderem die Ostküste der USA aus. Heute ist das Relikt aus dem kalten Krieg ein Museumsschiff und kann ganzjährig besichtigt werden.

U-434 Außenansicht

Gleich zu Anfang sollte gesagt werden, dass Personen mit Raumangst beziehungsweise Klaustrophobie einen Besuch des Museumsschiffs meiden sollten. Wer aber mit der gemütlichen Enge eines U-Boots mit einer Deckenhöhe von gefühlt nur einem Meter klar kommt, erlebt einen eindrucksvollen Zeitzeugen des Spionagezeitalters.

Russen-Schick, aber praktisch

Viel Platz ist in so einem U-Boot nicht

Während unserer Führung erzählt uns der ebenso gut informierte wie gut gelaunte Tourguide eine Anekdote aus der Raumfahrt: „Die Amerikaner entwickelten für Millionen Dollar einen Kugelschreiber, der auch im Weltall schreibt. Was haben die Russen gemacht? Sie nahmen einfach einen Bleistift mit!“

Diese kleine Geschichte erklärt die russische Mentalität, die in dem Museums-U-Boot nicht zu übersehen ist. Nur acht Monate hat der Bau des U-Boots gedauert. Da war keine Zeit für aufwendige Verkleidungen und noch viel weniger Zeit für Ästhetik – so wie in Russland eben auf die Entwicklung eines Hightech-Stiftes verzichtet wurde.

Holzvertäfelter Russland-SchickDie gesamte Einrichtung hat den Charme eines Maschinenraums, der sich mit der klischeehaftesten DDR-Platte gepaart hat. Die winzigen Wohn- und Aufenthaltsräume sind holzvertäfelt und beklemmend. Dazu trägt bei, dass in jedem Raum unverkleidete Rohre und Kabel verlaufen und nicht zwei Meter vergehen, bis man wieder an einem Ventil,  Hebel oder Messgerät vorbeikommt. Ein Luxusliner sieht anders aus. Die spartanische Bauweise hatte aber den Vorteil, dass die Besatzung selbst Reparaturarbeiten an der U-434 vornehmen konnte. Russisch-praktisch gedacht eben.

Die Tour durch die U-434 führt durch enge Gänge und durch noch engere Luken. Man muss zwar nicht in topform sein, um sich durch das U-Boot bewegen zu können, eine gewisse Agilität ist aber Grundvoraussetzung.

Unsere Empfehlung: Führung durch die U-434

Kommandozentrale

Wer will, kann das Unterseeboot der Tangoklasse, wie die NATO es nannte, auf eigene Faust erkunden. Eine Führung durch das nach wie vor seetüchtige U-Boot ist aber unbedingt empfehlenswert. Dort erfährt man zum Beispiel, dass die U-434 bis zu 3 ½ Tage am Stück unter Wasser bleiben konnte oder sich jeweils 50 Personen eine Toilette teilten - eine schöne Vorstellung und an die Gerüche will ich gar nicht denken. Auch ist eine Erkundung der Kommandozentrale nur im Rahmen der Führung möglich, vermutlich wegen des nicht ganz einfachen Einstiegs. In der Kommandozentrale ist gut zu erkennen, dass das Schiff zwar noch seetauglich ist, aber demilitarisiert wurde. Dort, wo einst die Torpedozentrale stand, ist heute ein großes Loch. Geblieben aber sind Sonar- und Motorengeräusche, die das Gefühl eines Untersee-Kampfeinsatzes deutlich unterstreichen.

Marinesoldat? Nein, danke!

Nach rund 40 Minuten verlassen wir das U-Boot wieder – bequem über eine Wendeltreppe, die im Rahmen der Umrüstung zum Museum eingebaut wurde. Nach der ganzen Kletterei durch die engen Gänge sind wir froh, nicht auch noch durch eine winzige Luke wieder nach draußen steigen zu müssen. So hat es die Besatzung drei Jahrzehnte lang gemacht. Überhaupt sind wir dankbar, das U-Boot nicht im Kampfeinsatz, sondern als Touristen sicher im Hamburger Hafen erlebt zu haben und vermutlich jeder, der der U-434 einen Besuch abstattet, wird verstehen warum.