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Prototyp Hamburg - Der Rennsport-Geheimtipp

Von: Yannic Zotzmann - 12.08.2015 13:06

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Motorsport erleben im Prototyp

Alle Bilder und Videos: COOL PLACES

Wer bei Motorsport nicht nur an Michael Schumacher und Niki Lauda denkt, findet in Hamburgs HafenCity das Prototyp Museum - ein lebendiges Museum, das die Geschichte des Rennsports interessant erzählt. Um ein immer wieder auftauchendes Missverständnis gleich vorweg zu klären, sei an dieser Stelle gesagt, dass das Prototyp nicht ausschließlich Autos zeigt, die einst in Serie gehen sollten. Vielmehr bezieht sich der Name auf das experimentelle Konzept des Museums. Gezeigt werden seltene Young- und Oldtimer aus dem Autosport.

Automobil-Exponate, die für sich sprechen

Neuer Bolide im Prototyp

Schon beim Reinkommen sticht uns die gradlinige Architektur des Prototyp Automobilmuseums ins Auge, die die Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Exponate lenkt. Auf Schnörkel wird verzichtet und die sehr gut erhaltenen Young- und Oldtimer sprechen für sich. Die rund 50 Exponate werden nicht durch Glaswände von den Besuchern getrennt, sodass man sich  aus allen Perspektiven ein Bild der Fahrzeuge machen kann. Anfassen ist aber ebenso wie das Fotografieren mit Stativ trotzdem nicht erlaubt.

Wissenswertes über die Fahrzeuge – zum Beispiel den legendären BerlinRom Wagen Porsche Typ 64, den Urvater aller Porsche, den Formel Rennwagen von Otto Mathé oder den Rennwagen von Petermax Müller - wird über kleine Informationsbildschirme vermittelt. Dem puristischen Design des Prototyps entsprechend sind die meisten Infotafeln in den Boden eingelassen und versperren den Blick auf das Fahrzeug nicht. Die digitalen Informationstafeln des Prototyp Hamburg bieten die wichtigsten Informationen zu dem jeweiligen Exponat, unter anderem PS-Leistung, Hubraum und Baujahr. Ein kleiner Text erläutert den Einsatz des jeweiligen Kraftwagens.

Person. Kraft. Wagen.

Rennwagen von Otto Mathé

Das Motto des Museums lautet Person. Kraft. Wagen. Dementsprechend werden nicht nur Automobile in Szene gesetzt. Immer wieder wird die Geschichte des Rennsports anhand spannender Geschichten erzählt. Dabei stehen meist die Fahrer und Konstrukteure im Mittelpunkt. Ein Pionier des Motorsports war zum Beispiel Otto Mathé, der 1934 auf während eines Rennens in einen Unfall verwickelt war und fortan nur noch seinen linken Arm benutzen konnte. Weil der Mann, der später das Idol Niki Laudas werden sollte, das Rennen so sehr liebte, baute er seine Fahrzeuge künftig so, dass er sie einarmig bedienen konnte. Ein solcher Mathé-Wagen ist im Prototyp Hamburg zu finden.

Das Prototyp Automuseum in Hamburg ist zweifelsohne eine Pilgerstätte für Motorsport-Enthusiasten. Ungeachtet dessen werden nicht nur inspirierende Heldengeschichten wie die eines Otto Mathé präsentiert. Auch Tragödien gehören zum Rennsport wie das wiederholte im Kreis herum fahren. Die letzte Fahrt des Grafen Trips, bei der 1961 fünfzehn Zuschauer sowie der Rennfahrer selbst ums Leben kamen, ist ein solches Unglück, das den Motorsport geprägt hat und deshalb nicht in der geschichtlichen Aufarbeitung des Rennsports in Hamburgs HafenCity fehlt.

Interaktive Computerstation

Die Geschichten des Autosports, inspirierend wie tragisch, finden sich an vielen Stellen des Museums. Zum einen als Tafeln an den Wänden, zum anderen als Film im Kino und letztlich auch in der digitalen Bibliothek. Wer ordentlich Zeit und viel Interesse mitbringt, kann an Computerstationen durch zahlreiche interaktive Fotoalben mit Texten und Videos blättern.

Prototyp Porsche-Fahrsimulator und weitere Highlights

Neben spannenden Geschichten und seltenen Exponaten setzt das Prototyp Automobilmuseum auf ein Mitmach-Konzept. Herzstück ist ein Fahrsimulator, der auf einem Porsche 356 basiert. In dem Rennauto aus den 1960er Jahren erreicht man virtuelle Höchstgeschwindigkeiten von Sage und Schreibe 65 km/h. Die angekündigten real funktionierenden Analoginstrumente sowie der vibrierende Sitz müssen zum Zeitpunkt unseres Besuchs wohl defekt gewesen sein. Echtes Porschefeeling sieht anders aus, aber hey, die Runden in dem Simulator kosten keinen Aufpreis.

Windkanal zur Bestimmung von Widerständen

Im untersten Untergeschoss, ganz tief unter der Dauerausstellung, warten dann noch einige Stationen. Neben dem Sonic Chair, in dem man sich mit Motorengeräuschen beschallen lassen kann, ist dort ein Miniatur-Windkanal mit Modellen von diversen Karossieren. Welche Form hat den geringsten Windwiderstand? Besonders Kinder dürften Freude an der Beantwortung dieser Frage haben.

Prototyp Sonderausstellungen und Café ERLKÖNIG

Die Dauerausstellung wird regelmäßig durch Sonderausstellungen ergänzt. Bisher wurden im Prototyp Hamburg zum Beispiel 50 Jahre Porsche, Wirtschaftswunderwagen und 100 Jahre Futurismus und das Automobil präsentiert. Je nach Interesse dauert ein Besuch der Dauerausstellung zwischen 20 Minuten und 120 Minuten und eine Sonderausstellung, die bei unserem Besuch leider gerade vorbereitet wurde, kann den Besuch zusätzlich verlängern.

Innerhalb des Prototyps wartet das Café ERLKÖNIG, das nicht nur Besuchern des Museums dienstags bis sonntags einen ausgezeichneten Kaffee serviert. Kuchen und Snacks werden ebenfalls angeboten, die wir allerdings wegen unserem anstehenden Besuch im Schwerelos Achterbahn-Restaurant nicht getestet haben.

Gelungene Ausstellung, aber nur für Rennsport-Fans

Alles in allem ist das Prototyp Automobil Museum in Hamburgs HafenCity eine gelungene Ausstellung, die ständig erweitert wird und ebenso informativ wie unterhaltsam ist. Onlinerezensenten bemängeln regelmäßig den dürftigen Umfang der Ausstellung, der sich aber im Laufe der Jahre erheblich erweitert hat. Wer bereit ist, sich nicht nur berieseln zu lassen, sondern auch mal den ein oder anderen Text zu lesen und eine gehörige Portion Interesse für Rennautos mitbringt, ist im Prototyp auch für den nicht ganz günstigen Eintrittspreis von zehn Euro pro Erwachsenem gut aufgehoben.