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Giga-Center: Der Arcade-Automaten-Spieletempel

Der Rund-um-die-Uhr-Tempel für Männer, Jungen und ‚80s-Kids‘

Von: Yannic Zotzmann - 28.07.2015 16:35

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Hach, das waren noch Zeiten, als man als Kind noch zufällig über einen Arcade Automaten stolpern konnte und die Augen leuchteten. Motorräder, Autorennen, Beat ‘em ups und sogar Shooter standen in Einkaufszentren, Bowlingbahnen und gefühlt eigentlich überall.

Wegen dem hohen Wartungsaufwand und mit dem Siegeszug der Heimkonsolen verschwanden Tekken, Time Crisis und Ridge Racer zunehmend aus der Öffentlichkeit. Leider, denn manchmal sehnen wir uns nach den cool leuchtenden Motorrädern oder nach einer Runde Pixelmatsch abschießen im Wettlauf gegen die Zeit zurück. Wir sind uns sicher: Es geht nicht nur uns so!

Die Erlebnistester im Giga-Center

Die Erlebnistester im Giga-Center; Fotos und Montage: COOL PLACES

Eine der letzten Bastionen des Arcade Gaming befindet sich am Kölner Hohenzollernring mitten in der Innenstadt. Das Giga-Center ist ein gigantisches Geschäft mit vielen Angeboten auf fünf Etagen: Gastronomie, Internet-Café, Dart, Billard, Kicker und Airhockey tummeln sich hier unter einem Dach. Außerdem gibt es gleich zwei klassische Spielhöllen, von denen ich persönlich nicht so viel halte, aber nun gut. Während die Billardtische in Onlinerezensionen nicht so gut wegkommen („Alt“, „Brandlöcher“, „Zu teuer“) und die Spielhöllen für viele uninteressant sein dürften, punktet das Giga-Center an anderer Stelle: Moderne Arcade Automaten in einer Auswahl, die ihresgleichen sucht.

Racing im Giga-Center

Motorrad und Schneemobil Arcades im Giga CenterIm Erdgeschoss des Giga-Centers befinden sich die ersten Arcades, insbesondere Racing-Automaten. Zur Auswahl stehen zwei Motorrad-Simulatoren, zwei halbwegs realistische Autorennen und ein abgedrehtes Racing-Spiel. Alle Racer können jeweils mit zwei Personen gleichzeitig gespielt werden. Mein persönliches Rennsimulator-Highlight war der Snowmobil-Racer Winter X Games SnoCross, der dem Fahrer so richtig schön Wind um die Ohren pustet. Der abgedrehte Mario Kart-Abklatsch Dirty Drivin‘ konnte ebenfalls überzeugen – das Abschießen von Freunden mit lustigen Powerups wird eben nie langweilig. Nur okay war der Motorrad-Simulator Storm Rider, bei dem der Funke irgendwie nicht überspringen wollte.

Racing Automaten im Giga CenterDas Autopendant Storm Racer G hingegen hat uns gut gefallen – ein relativ realistisches Racing-Gefühl, wenn man mal vom Superboost absieht. Nicht getestet haben wir GRID von Sega. Der Spieler vor uns verließ den Automaten bereits mit den Worten: „Spielt die Scheiße nicht, das Lenkrad ist total ausgeleiert und das macht gar keinen Spaß.“ Weil wir das nicht so recht glauben wollten, warfen wir trotzdem einen Euro in den Automaten. Der Euro wurde dankend angenommen, aber es wurde kein Credit verbucht. Die Auswurf-Taste stellte sich ebenfalls stur. Der Euro war weg und wir konnten GRID nicht testen. Hätten wir mal besser auf den jungen Mann gehört.

Giga-Center Shooter-Spaß

Vor dem nächsten Raum des Erdgeschosses des Giga-Centers prangt ein Schild „Zutritt erst ab 18 Jahren“. Dahinter stehen sechs Shooter-Spiele und einige Geldspielautomaten. Nach einem Ausweis wurden wir nicht gefragt. Einigen Online-Bewertungen zufolge wird das Alter aber überprüft, wenn der Gast etwas jünger aussieht. Das ist ja aber beim Alkoholausschank oder im Kino auch nicht anders.

Arcade-Shooter funktionieren im Prinzip alle ähnlich: Der Spieler hat eine Waffe in der Hand, zielt auf den Bildschirm und muss die erscheinenden Gegner abschießen. Anders als bei Konsolenspielen muss der Spieler nicht selbst laufen, sondern bewegt sich wie auf Schienen durch das Level. Das Genre wird daher oft als Rail Shooter bezeichnet. Gezielt wird meistens mit Kimme und Korn der Plastikwaffe, seltener gibt es ein digitales Fadenkreuz.

House of the Dead 4 Arcade AutomatUnser Test begann mit dem Spiel The House of the Dead 4. The House of the Dead 4 ist alles in allem ein solider Rail Shooter, der Spielen wie Resident Evil: Darkside Chronicles (Partnerlink) in nichts nachsteht. Natürlich ist die Story eines Spiels an Arcade Automaten Nebensache – dafür reicht in der Regel weder die Zeit noch das Kleingeld. Letztlich ist es aber ja auch egal, warum die Zombies Zombies sind. Für grenzenlosen Shooterspaß ist wichtiger, dass die Waffen präzise zielen und dass das Spiel nicht bereits nach ein paar Sekunden vorbei ist. Wie lang genau unser Spiel für zwei Euro (ein Spiel für zwei Spieler plus ein Extraleben) dauerte, habe ich zwar nicht nachgehalten, aber wir fühlten uns auch nicht betuppt. Angesichts der Riesenzombiemeute stirbt man halt irgendwann und das war nicht zu früh. Die Plastik-UZIs funktionierten einwandfrei, etwas ungewohnt war das Zielen mit Kimme und Korn aber schon. Schließlich waren wir von den Resident Evil-Rail Shootern auf den Heimkonsolen ein Fadenkreuz gewöhnt.

Überhaupt nicht gut funktionierte die Waffe des Spiels Operation G.H.O.S.T. von Sega. Die Spieler übernehmen die Rolle eines SWAT-Teams, das in verschiedenen Szenarien Geiseln befreien muss. Die Level sind abwechslungsreich und gut gemacht, aber wegen des unglaublich unpräzisen und wackeligen Fadenkreuzes schlecht spielbar. Ich vermute, dass der Automat defekt ist, denn in Gameplay-Videos im Internet tauchen diese Probleme nicht auf. Operation G.H.O.S.T. hätte viel Potenzial und vielleicht wird der Automat ja noch mal repariert.

Unser Shooter-Highlight war das Spiel Terminator: Salvation, in dem wir in die Rolle von John Connor schlüpfen konnten. Das Gameplay ist denkbar simpel: Terminatoren tauchen auf und müssen abgeschossen werden. Hin und wieder gibt es eine Cutscene. Ausgezeichnet sind die Waffen des Spiels, durch die das Terminatoren-Zerlegen zur wahren Freude wird. Die Plastikgewehre sind sehr schwer und geben ein tolles Rückschlag-Feedback. Daumen hoch!

Weil sich die Arcade-Shooter nicht allzu sehr voneinander unterscheiden, haben wir die restlichen Maschinen, unter anderem Rambo, nicht getestet. Im Untergeschoss gibt es schließlich noch viel mehr zu entdecken.

Witziges und Kurioses im Giga-Center

Im Untergeschoss befindet sich dann noch ein Bereich, den man ‚Sonstiges‘ nennen könnte. Neben Airhockey-Tischen, vier Flippern, einem Kicker und Spielhölle Nummer zwei gibt es hier noch der ein oder anderen Arcade-Schatz.

Super Alpine RacingZum einen wäre da der Super Alpine Racer, der sich auf dem Weg zur Toilette in der hintersten Ecke versteckt. Man bekommt genau, was man erwartet: Ein witziges Skiabfahrt-Spiel. Leider gibt es nur einen Alpinrennautomaten, sodass ein Kräftemessen gegeneinander nicht möglich ist. Als Notlösung kann aber einfach nacheinander gefahren und dann die Zeit verglichen werden.

Panik bei Dark Escape 4D

Bild aus Gründen des Jugendschutzes etwas freundlicher gemacht

Außerdem wartet mit Dark Escape 4D eine wahre Perle des Horror-Schocker-Arcade-Genres. Prinzipiell ist das Spiel ein klassischer Shooter, wie die bereits beschriebenen. Die unerschrockenen Spieler sitzen allerdings in einer abgedunkelten Kabine und dank 3D-Brillen, vibrierenden Sitzen, Surround-Sound, Windeffekten und jeder Menge Horrorelementen geht der Schocker der Superlative ganz schön an die Substanz. Selbst für uns als eher erfahrene Shooter- und Horrorspielspieler war Dark Escape 4D eine ganz neue Erfahrung. Dass uns die Zombies und Spinnenmonster nicht kalt ließen, haben wir dann sogar schwarz auf weiß bekommen: Während des Spiels wird der Puls gemessen und hinterher ausgewertet. Wie viele Schockmomente (Puls über 100) wir erlebten, zeigt das Foto. Leider war eine der 3D-Brillen, wie so manches im Giga-Center, defekt, sodass wir auf dieses Feature verzichten mussten. Super witzig war es trotzdem den höheren Preis von 2,- pro Spiel pro Spieler definitiv wert.

Ein von Dance Dance Revolution inspiriertes Spiel namens In the Groove hat das Giga-Center ebenfalls zu bieten, leider war es bei unserem Besuch jedoch außer Betrieb.

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